Campobecerros – Vilar de Barrio

Gemeinsam mit Ann und Richard habe ich heute früh um 6:30 Uhr Frühstück in der Taberna Penaboa bestellt. Der Regen hat aufgehört, es ist sogar fast warm heute. Um zwanzig nach sechs stehen wir vor der Bar. Alles ist verrammelt und es sieht im Moment überhaupt nicht so aus, als würde hier in nächster Zeit etwas passieren. Wir warten trotzdem. Zehn Minuten geben wir der sehr netten Wirtin, die uns gestern ein sehr leckeres Essen mit reichlich Gemüse gezaubert hat und nicht müde wird, immer das Beste aus ihrer Küche herauszuholen. Man kann sie sich nirgends anders vorstellen als hier, und sie ist eine echte Seele.

Um sechs Uhr achtundzwanzig hören wir drinnen eine Tür zuschlagen. Irgendwo hinterm Haus wird ein Rolladen hochgezogen. Eine Minute später geht in der Taverne das Licht an und um Punkt sechs Uhr dreißig schließt die Wirtin die Tür auf.

Wir bekommen alles, was wir möchten. Toast mit Spiegelei und Tomate für mich und gleich zweimal Café con Leche. Ann und Richard sind genauso Kaffee-süchtig wie ich. Am Schluss gibt es eine herzliche Umarmung und Küsschen von unserer Wirtin, und ich bereue, dass ich sie nicht nach ihrem Namen gefragt habe. Aber immerhin: Sie hat eine Facebook-Seite.

Von Ann und Richard verabschiede ich mich auch. Ich habe heute den längeren Weg und die beiden sind in den Siebzigern und gehen langsamer als ich. Ich drehe mich noch ein paarmal um. Die zwei sind seit fünfzig Jahren verheiratet und gehen Hand in Hand den Berg hoch.

Es geht erstmal wieder rauf auf den Berg, durch den nächsten Ort, Portocamba, dann weiter hinauf, bis zu einem Holzkreuz,  wo der Weg von der Straße abzweigt und auf eine Piste führt.

Von der Umgebung sehe ich wenig, da die Wolken heute tief hängen.  Es geht jetzt erstmal nur noch hinunter. Auf halber Höhe komme ich durch den Ort As Eiras, vorbei an einem Donativo mit Kaffee, Tee und ein paar Keksen. Nach dem ausgiebigen Frühstück brauche ich nichts.

Hinter dem Ort geben die Wolken endlich ein bisschen Sicht auf ein Dorf im Tal frei. Und nach einer weiteren Stunde sehe ich unten im Tal auch Laza liegen. Dort will ich eine Pause einlegen.

Ich suche eine Bank und frage zwei Arbeiter, die auf dem Platz davor gerade Frühstückspause machen nach der Bar. Sie zeigen nach links und haben wohl den Eindruck, ich würde sie nicht recht verstehen. Einer der beiden winkt mich heran. Ich soll mitkommen, damit er mir zeigen kann, wo es lang geht. So ist das hier auf dem Sanabrés häufig. Die Leute schauen Dir nach, ob Du wirklich in die richtige Richtung gehst. Erst wenn das sicher ist, sind sie zufrieden.

Während ich vor der Bar sitze, kommen auch Ann und Richard an. Die beiden bleiben heute Nacht hier. Ich möchte noch zwölf Kilometer weiter nach Alberguaría. Doch der Wirt sagt mir, dass die Herberge dort geschlossen ist. Ich überlege kurz. Ein weiterer Nachmittag mit Ann und Richard wäre verlockend. Wenn ich in Alberguaría keine Unterkunft finde, muss ich noch sieben Kilometer weiter. Entgegen jede Vernunft entscheide ich mich fürs Weiergehen.

Bis Tamicelas ist der Weg erstmal eben. In dem Örtchen verliere ich die Wegmarkierung und frage eine alte Frau, die nachdrücklich nach links den Berg hinauf zeigt, dann ausspuckt und auch wieder erst ablässt,  als ich den richtigen Weg eingeschlagen habe.

Ab jetzt geht es bis Alberguaría steil hinauf. Ich bin mittlerweile recht müde. Der Weg will einfach kein Ende nehmen. Nach reichlich anderthalb Stunden erreiche ich endlich die Landstraße und damit auch bald den Ortsanfang von Alberguaría.

Die Bar von Luis, die an jedem freien Platz an Decke und Wand gespickt ist mit Muscheln, auf denen sich die Pilger verewigt haben, ist geöffnet. Meine Muschel hängt dort jetzt auch.

Aber die Herberge ist tatsächlich zu. So ganz erschließt sich mir der Grund dafür nicht. Ich verstehe soviel wie, dass die Behörden ihm Bauauflagen gemacht haben, kann mich aber auch täuschen. Ich ziehe erstmal die Schuhe aus, esse eine der köstlichsten Orangen und eine Banane aus Luis Bar und genehmige mir ein Bier dazu. Luis wirft die Musik an. Eine halbe Stunde Pause gebe ich mir und verabschiede mich schließlich wehmütig. Noch sieben Kilometer bis Vilar de Barrio.

Es geht ein Stück eben durch die Heide, bevor ein langer und größtenteils steiler Abstieg folgt. Meine Füße mögen das gar nicht.

Auf den letzten Kilometern übersehe ich ein Wegzeichen und folge stattdessen einem Schild, das zu einem halb verfallenen Dorf zeigt. Erst als der Weg in einen Dschungel mündet, wird mir klar, dass ich hier falsch bin. Fluchend laufe ich den ganzen Weg wieder hoch, gefühlte siebenhundert Meter zurück.

Endlich unten im Tal angekommen, mit der Sicht schon auf Vilar de Barrio, verwickelt mich ein Spanier in ein Gespräch. Das machen die hier oft. Und mir scheint es gerade dann zu passieren, wenn ich einfach nur noch die Schuhe von mir werfen möchte. Schließlich kann ich mich von ihm loseisen.

In die Herberge zieht es mich heute nicht. Ich suche mir ein Zimmer, das mir zwar überteuert vorkommt. Vierzig Euro ist viel zuviel. Erst als mir das Haus aufgeschlossen wird, stelle ich fest, das ich gerade ein ganzes Haus gemietet habe. Ein sehr schönes Natursteinhaus, renoviert und schick eingerichtet. Nur schade, dass ich es jetzt nicht mit jemandem teilen kann. Wäre schön, wenn Richard und Ann hier wären.

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