Von Buchholz nach Bautzen

Die erste Nacht auf der Via Regia und direkt nach Corona: Es wundert mich nicht, dass wir die Alte Tenne, die Pilgerherberge in Buchholz ganz für uns allein haben. In der Nacht zuvor war eine Pilgerin hier, ich sehe ihren Eintrag im Gästebuch.

Nach Kaffee und einem kleinen Frühstück gehen wir erstmal ohne Rucksack rüber zur Kirche, die aber leider noch verschlossen ist. Der Tag begrüßt uns mit leichtem Nieselregen. Wir ziehen schon mal die Ponchos über und setzen uns in Bewegung. In Weissenberg lockt die Pfefferküchlerei. Leider sind wir zu früh. Schade. Der Bäcker am Platz hat am Sonntagmorgen auch nicht auf, der hätte vielleicht Lebkuchen für uns gehabt.

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Hinter Weissenberg gehen wir eine Zeitlang auf einer stillgelegten Bahnlinie, bevor wir in die Gröditzer Skala hinabsteigen. Eine Frau warnt uns: „Passen Sie auf, es ist dort sehr rutschig!“ Sie soll recht behalten. Es ist, nicht nur wegen des Regens, recht feucht und höllisch rutschig auf dem Weg dort hinunter. Und beim Anblick des maroden Brückleins über den Bach stockt mir der Atem. Der Steg, ein beschnittener Baumstamm, ist ein Schieflage und glitschig, das wenig vertrauenswürdige Geländer aus Ästen nur noch teilweise vorhanden. – Ok, ich bin noch nie eine Heldin gewesen, wenn es um akrobatische Einlagen ging. Die Brücke führt über ein kleines Bächlein und befindet sich auch nicht in schwindelerregender Höhe. Ich hab einfach Angst, mich nass und schmutzig zu machen. Es besteht also keine wirkliche Gefahr und die Ängstlichkeit ist abgeschüttelt, sobald ich wieder festen Boden unter den Füßen habe.

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Der Weg durch die Gröditzer Skala mit ihren Steilhängen ist verwunschen, hier gibt es unglaublich viele dicke alte Eichen. Hier unten kommen uns heute mal ein paar Spaziergänger entgegen. Wie sich herausstellt, ist die Zivilisation nicht weit, und anscheinend hat die lokale Tageszeitung gerade einen Artikel über den idyllischen Wald und die stillgelegte Bahnstrecke mit ihrem Viadukt veröffentlicht. Auch hier, so scheint es, lernen die Menschen ihre unmittelbare Umgebung gerade wieder schätzen.

Leider öffnet auch das Restaurant in Gröditz erst in einer Stunde. Wir hätten so gerne mal einen Kaffee gehabt. Aber in dieser Hinsicht ist Deutschland, zumindest in den entlegeneren Gegenden, nicht gerade gesegnet. Was auch nicht so schlecht ist, denn wo es Kaffee gibt, da ist es mit der Stille ja auch nicht mehr weit her.

An der Wurschener Mühle gibt es einen kleinen Rastplatz, den jemand mit einem Blumenstrauß geschmückt hat. Es geht weiter übers offene Feld und ein wunderschönes Tal. Kurz vor Drehsa erreichen wir den Schwedenstein, der zur Erinnerung an eine Episode des Nordischen Krieges 1700 – 1721 aufgestellt wurde. Er erinnert an eine Versammlung, in der die Oberlausitzer Stände den Schwedenkönig um einen milderen Umgang der Schweden mit der Bevölkerung gebeten hatten. Wohl mit Erfolg. Die Schweden hielten sich daran. Da soll noch einer sagen, dass Worte nichts bewirken.

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Einen kleinen Wermutstropfen bekommen wir heute hinsichtlich der Übernachtung. Eine Pilgerunterkunft will nun wegen Corona doch noch keine Pilger aufnehmen, die Jugendherberge möchte uns auch nicht, das lohne sich nicht für zwei Personen. Schließlich erreichen wir von Drehsa aus jemanden im Tourismusbüro in Bautzen und bekommen drei Pensionen genannt, die geöffnet sind. Bei der ersten haben wir gleich Glück und sind schon mal beruhigt.

Hinter Drehsa erhaschen wir zum ersten Mal einen Blick auf das noch recht weit entfernte Bautzen. In Kubschütz verlieren wir das Pilgerzeichen und entscheiden uns, den Radweg an der Bundesstraße entlang zu nehmen. Die sieben Kilometer lange Gerade zieht sich, die Füße brennen. Aus den ursprünglich geplanten fünfundzwanzig Kilometern sind am Ende dreißig geworden. So ganz scheinen die Entfernungen im Pilgerbuch nicht zu stimmen. Für morgen sollten wir mal eine kürzere Strecke planen

Müde und hungrig stolpern wir vorwärts. Auch in Bautzen müssen wir noch eine ganze Strecke zurücklegen, bis wir in die Altstadt kommen. Bautzen wirkt auf mich an diesem Sonntag ein wenig trostlos. Alles hat zu. Restaurants schließen hier am Sonntag um fünfzehn Uhr. Immerhin: Der Pensionswirt „Zum Echten“ hätte für uns zur Not noch den Herd angeschmissen, wenn wir nichts anderes gefunden hätten. Wirklich sehr nett.

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Nach dem Abendessen ist Schicht. So viele Eindrücke, so viel abwechslungsreiche Natur! Für heute ist nur noch Ruhe angesagt.

 

 

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