A Gudiña- Campobecerros

Ein Blick aus dem Fenster heute früh verspricht zumindest einen sonnigen Morgen. Ich bin froh, dass ich A Gudiña hinter mir lassen kann. Der Ort hat einfach nichts Charmantes. Gar nichts.

An der Kirche teilt sich der Weg. Es gibt eine Route über Verin oder über Laza. Ich habe mich schon lang für letztere entschieden,  ein Reiseführer glaubt nicht an die erste Variante. Und ich teile meine Etappen in diesem kalten Juni so ein, dass ich immer eine wärmende Bettdecke auf dem Weg habe. Heute habe ich deshalb einen kurzen Tag mit nur 20 Kilometern bis Campobecerros. Zwischen hier und dort liegen vier Dörfer auf dem Weg, kein Café, kein Laden. Dazwischen ein paar An- und Abstiege, nichts Wildes, auf einer Höhe zwischen 900 und 1100 Metern.

Hinter A Gudiña geht es lange Zeit die Straße hoch. Immer wieder flüchte ich mich vor den Autos in den Graben. Unnötigerweise, denn die Autofahrer hier sind sehr rücksichtsvoll mit Pilgern.

Für heute ist Regen angesagt. Immer wieder scheint eine Regenfront auf mich zuzukommen und kommt dann doch irgendwo anders herunter. Poncho an, Poncho aus. So geht das fast die halbe Strecke.

Am zweiten Dorf, in A Venda de Capela, trennt sich der Weg deutlich von der Straße. Endlich. Allerdings habe ich hier eine äußerst unfreundliche Begegnung mit einem Hund. Wütend bellend kommt er auf mich zugerannt. Ich versuche ihn mit Engelszungen von meiner friedlichen Absicht zu überzeugen. Doch er gibt nicht auf. Unentschlossen bleibe ich stehen und werfe einen flehenden Blick auf das Gehöft in der Hoffnung, dass irgendjemand diesen Köter zur Ordnung ruft. Aber niemand lässt sich blicken. Mit Freundlichkeit komme ich hier nicht weiter. Also brülle ich den Hund an. Im ersten Moment zuckt er zusammen. Ich bin schon fast sicher, dass ich hier mit Autorität weiterkomme. Doch offensichtlich lässt sich das Biest nur für einen Moment einschüchtern. Jetzt gibt es nur noch zwei Möglichkeiten: umkehren oder allen Mut aufbringen und vorwärts gehen. Ich entscheide mich für letzteres, weil ich keine Lust habe, den Umweg über die Straße zu nehmen.

Entschlossen. mich zu verteidigen. nehme ich einen Stein in die eine Hand, mit der anderen halte ich meine Laufstöcke vor mich, um das Monster auf Abstand zu halten und gehe weiter. Nach einer gefühlten Ewigkeit bin ich endlich an seinem Revier vorbei und kann meinen Weg beruhigt fortsetzen.

Hinter A Vend de Bolanos fängt es schließlich richtig an zubregnn. In Sekunden fallen die Wolken herunter, der Wind kommt von der Seite, die Feuchtigkeit kriecht überall hinein, der Weg ist nur noch schemenhaft erkennbar. Ich muss nochmal über eine Anhöhe, bevor der steile Abstieg kommt. Irgendwann beruhigt sich der Sturm, unter mir geben die Wolken die Sicht auf  Campobecerros frei.

Die Herberge heute hat jede Menge flauschige Decken. Genug, um eine Decke unter den Schlafsack zu legen und eine weitere zum Zudecken zu nutzen. Der Hospitalero wirft sogar die Heizung an. Kurz nach mir kommt ein britisches Ehepaar an. Wir teilen uns Waschmaschine und Trockner. Und später auch das Essen in der nahe gelegenen Taverne. Dort sitzen bereits Regine und Flavio, die heute auch noch weiter wollen. Kurzerhand wird, wie so oft auf dem Camino, das Mobiliar umgeräumt, werden Tische zusammengestellt. Welch ein Unterschied zu gestern Abend im tristen A Gudiña, allein in der Bar!

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