Kreis oder Strecke

Neulich saß ich in einer Planungsrunde für Pilgerangebote auf dem Lutherweg. Da sagte eine der Pilgerleiterinnen, dass sie bevorzugt Rundwege anbiete, weil ihr die An- und Rückfahrt immer viel zu umständlich sei.

Ich kann das nachvollziehen. Gerade ein einzelner Pilgertag bringt eben immer so ein bisschen Aufwand mit sich. Man muss sich organisieren. Und es ist auch nicht immer ganz einfach, die An- und Abreise mit den Öffentlichen zu bewerkstelligen.

Warum ist mir das Thema einen Blogeintrag wert? Als die Pilgerleiter-Kollegin diese Bemerkung machte, regte sich in mir sofort Widerstand. Ist es denn wirklich dasselbe, ob man einen Kreis geht oder eine Strecke? Geht es nicht gerade beim Pilgern darum, dass man am Ende des Weges an einem anderen Ort ist? Wie außen, so innen. Das habe ich auf meinen langen Wegen oft genug erfahren. Mit einem Rundweg kann ich eine Fragestellung einkreisen. Aber wenn ich nach einer Lösung suche, dann muss ich nach vorne gehen, mich fort-bewegen, so dass mein Stand-Punkt sich am Ende verändert hat. Und erst dann kann ich wieder nach Hause zurückkehren, um mich dort mit einem veränderten Blickwinkel wieder in den Alltag zu integrieren.

Wohl wissend, dass ich mich innerlich auch schon so manches Mal über diesen Umstand beklagt habe, nehme ich ihn also dennoch gerne in Kauf. Die Dinge ordnen, sich organisieren, dafür sorgen, dass man auch wieder zurückkehrt – genau das muss man auch für einen längeren Pilgerweg in Kauf nehmen. Man ist ja schließlich nicht auf der Flucht und sorgt deshalb auch dafür, dass man wieder zu Hause ankommen kann.

Dass es nichts bringt, im Kreis zu gehen, wenn man das Problem einmal erkannt hat, habe ich erst kürzlich in der Beziehung zu einem guten Freund wieder erfahren. Das Problem selbst musste ich für mich lange einkreisen und dabei ein paar Runden drehen. Doch als die Position bestimmt war, ging es auf einmal ganz leicht. Wahre Freundschaft hält es aus, dass man nicht immer nebeneinander herläuft. Manchmal ist es nötig, dass jeder ein Stück für sich alleine geradeaus geht. Was bleibt ist das Bewusstsein der inneren Verbundenheit und das Vertrauen in den gemeinsamen Weg. Wenn man die Reise ordentlich vorbereitet hat, wird man gestärkt wieder zurückkehren.

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