Vom Umgang mit Misserfolgen

Ich gebe zu, es hat mir in der letzten Zeit ein wenig an Inspiration für diesen Blog gefehlt. Privat hatte ich zu viel um die Ohren und auch eine belastende Zeit. Nicht, dass ich da durch wäre. Aber zumindest sind die Voraussetzungen geschaffen, dass ich weitergehen kann. Auch wenn ich erst einmal meine Wunden versorgen muss.

Mein holländischer Pilgerfreund Leo hat mir dieses Jahr zum Abschied nochmal mitgegeben: „Genieße jeden Moment! Und wenn es nicht weitergeht, dann geh nochmal einen Schritt zurück und nimm den anderen Abzweig!“ Es ist tatsächlich so einfach.

Jeder, der sich verlaufen hat, kennt das: Zuerst ist da so eine Ahnung, dass irgendetwas nicht stimmt. Beunruhigt hältst du nach Zeichen Ausschau. Du willst es nicht wahrhaben und hoffst, dass jetzt bald endlich der gelbe Pfeil auftaucht. Aber er kommt nicht. Du schaust dich um, ob vielleicht irgendein anderer Pilger hinter dir ist. Niemand zu sehen. Zögernd gehst du weiter, wohl wissend, dass du eventuell wieder zurück musst. Du kämpfst innerlich mit dir und kannst keine Entscheidung treffen. Wer will schon eine Extra-Schleife laufen. Und dann irgendwann kommt der Punkt, an dem du dich geschlagen gibst und endlich die unvermeidliche Entscheidung zur Umkehr triffst. Ab diesem Moment wird alles einfacher. Du ergibst dich deinem Schicksal, gehst zurück. Vielleicht ärgerst du dich noch eine Weile, aber mit jedem Schritt der Umkehr findest du die Gewissheit, dass du dich richtig entschieden hast.

Wie lange man sich damit aufhält, sinnlose Kämpfe zu führen, sich unnütze Gedanken oder Sorgen zu machen, ist sicher zum Teil von der Persönlichkeit abhängig. Nichtsdestotrotz gibt es Lernerfahrungen. Und der Camino ist eine wunderbare Spielwiese für die Entdeckung neuer Umgangsweisen mit Mißerfolgen. Ich für meinen Teil habe die Erfahrung gemacht, dass es besser ist beizeiten die Richtung zu wechseln oder zurückzugehen; nämlich dann, wenn der erste Verdacht aufkommt, dass etwas nicht stimmt.

Es gelingt mir noch nicht immer im ersten Verdachtsmoment. Ich ignoriere Zeichen noch oft genug. Aber ich muss nicht mehr jeden Umweg gehen.

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