Lass dein Herz sprechen

Tag 15: Lugo – Ponte Ferreira (26 km)

An diesem Morgen verlasse ich die Herberge außergewöhnlich früh. Es ist 5:07 Uhr, als die Herbergstür hinter mir ins Schloss fällt. Wegen der Dunkelheit gehe ich über eine Stunde lang mit Stirnlampe, damit ich die Wegmarkierungen nicht übersehe.

Mental bin ich ein wenig durchgerüttelt. Leo, der mir am ersten Tag meiner Pilgerwanderung bereits begegnet ist, wird sich morgen verabschieden. Doris ist bereits mit dem Bus nach Melide unterwegs. Ich werde sie wohl auch nicht mehr sehen. Die beiden Dänen, Sören und Lars-Pieter, mit denen der Kontakt in den vergangenen Tagen intensiver geworden ist, werden kürzere Etappen gehen als ich. Möglicherweise treffen wir uns auch nicht mehr. Sie waren die letzten, mit denen ich gestern Abend gesprochen haben. Und wir haben uns nicht für immer verabschiedet.

Ich wandere heute alleine und fühle eine Mischung aus Trauer, Angst und Vorfreude. Ich bin sehr durcheinander. Meine Gedanken sind bei meinen Plänen für mein weiteres Leben. Ich weiß, dass ich mehr Raum benötige. Am liebsten würde Arbeitszeit zugunsten von Reisen reduzieren, ohne finanzielle Rückschritte. Keine Ahnung, wie ich das umsetzen kann. Lars-Pieter sagte gestern Abend: „Du musst eine Entscheidung treffen. Dann wird sich der Weg auch offenbaren.“

Noch etwas anderes drückt mir auf die Seele. Ich habe Angst davor, in Melide mit dem Camino Frances zusammenzutreffen, Angst vor der Ankunft in Santiago. Und gleichzeitig möchte ich schnellstmöglich dort hin. Im vergangenen Jahr hat mich der Weg sehr durcheinander gerüttelt, wenn ich auch im Nachhinein gestärkt nach Hause kam. Aber der Tod meiner Mutter, von dem ich damals in Santiago erfahren habe, war damals ein großer Schock. Irgendwie habe ich es eilig, nach Santiago zu kommen. Vielleicht damit ich die Erfahrung mache, dass dort nichts Schlimmes passieren wird.

Und während ich so gehe, holt mich eine Vierergruppe Spanier und Franzosen ein. „Azzuro“, fangen sie an zu trällern, und ich stimme summend mit ein. Es beginnt eine Konversation. Und schon bin ich raus aus meinen negativen Gedanken. So einfach geht das hier.

Die Erkenntnis des Tages: Lass einfach dein Herz sprechen!

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