Yay! Outside!

Tag 3: Santillana Del Mar – Comillas (22 km)

Yay! Outside!

Dieser freudige Ausruf begleitet mich seit heute wieder, und ich verdanke ihn meinem Camino-Freund Keith aus Texas, der ihn mir vor meiner Abreise als Aufkleber geschickt hat, zusammen mit einem Kompass, damit ich die Richtung nicht verliere, und einem wunderschönen Gedicht über das Vagabunden-Dasein. Keith ist nämlich nicht nur eine ganz verwandte Seele, sondern er schreibt auch wundervolle Gedichte. Wer mehr von ihm lesen möchte: Hier geht’s zu seinem Blog http://www.juspassinthrough.com.

Mit dem Bus bin ich von Santander nach Santillana Del Mar gefahren, einem malerischen Ort, der mitnichten am Meer gelegen ist, wie der Name vielleicht vermuten lässt. Gleich beim Aussteigen fällt mir auf, was mich von Santander im ersten Moment abgestoßen hat.  In Santillana riecht es ausgesprochen aromatisch, nach Kräutern des Südens und nach Eukalyptusbäumen. Also los! Immer der Nase nach.

Am Busbahnhof habe ich Antoine und Lucette aus der Gegend um Toulouse kennengelernt. Sie sind bereits seit 40 Tagen unterwegs. Antoine hat Schmerzen im Fuß, deshalb werden sie in Santillana einen Pausentag einlegen. Wir verabschieden uns. Ich würde mich freuen, wenn wir uns nochmal begegnen.

Santillana ist um die Mittagszeit schon reichlich bevölkert von Touristen. Deshalb zieht es mich direkt raus auf die Piste. Der Camino del Norte unterscheidet sich hier ganz wesentlich vom Frances: Ich bin zwei Stunden unterwegs, bevor mir ein erster Pilger begegnet. Die Stille ist herrlich und nach zwei Tagen in Santander eine schöne Erholung. Ab und an ein wenig Kuhglockengebimmel, ein paar Ziegen, ein paar Einheimische auf der Straße. Bergauf und bergab, über Orena nach  Caborredondo und Cobreces. Dort habe ich die ersten Pilgerbegegnungen. 

Ein paar Spanier sind der Meinung, dass ich in die falsche Richtung gehe, es entsteht eine lebhafte Diskussion, zwischen den Spaniern – versteht sich – der ich nur ganz ungenau folge. Ich beende die Auseinandersetzung, indem ich zugebe, dass der von ihnen mehrheitlich angenommene Weg der schönere ist, ich aber den kürzeren nehme. Das scheint sie zufriedenzustellen.

Von Cobreces gehe ich weiter nach Comillas, das am Meer liegt. Ich riskiere es, obwohl die Herberge dort nur 20 Betten hat und sich wohl der Sage nach schnell füllt. Natürlich hoffe ich auf ein Camino-Wunder. – Nun ja, manche Wünsche erfüllen sich eben nicht. Die Herberge ist voll und ich komme in einer Pension unter, in einem nahezu luxuriösen Zimmer mit Bad. Das hat man halt davon, wenn man mittags erst los geht. 

Egal. Ich bin einfach nur glücklich, draußen zu sein.

Ohnehin ist die Pilgerherberge in einem ehemaligen Gefängnis untergebracht. Ich weiß nicht, wie sich das mit dem Vagabunden-Dasein verträgt.

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