Von Gotha nach Neufrankenroda

Die Reisegötter auf der Via Regia scheinen uns heute wohl-gesonnen. Um kurz nach sechs Uhr morgens verlassen wir Oberursel mit dem Auto in Richtung Vacha. Dort kommen wir gerade rechtzeitig an, um in den Bus nach Bad Salzungen zu steigen, der uns dann gerade noch rechtzeitig zur Weiterfahrt nach Eisenach ausspuckt. Im Laufschritt erreichen wir das Züglein, um eine Dreiviertelstunde später in Eisenach umzusteigen in die Regionalbahn nach Leipzig. Klingt kompliziert? – Ist es gar nicht. Die Anfahrt hat geklappt wie am Schnürchen mit der Präzision eines Schweizer Urwerks.

Gotha wirkt heute, an einem Werktag, sehr viel freundlicher als an dem Sonntag vor zweieinhalb Wochen. Wir können dem Städtchen richtig was abgewinnen, schlendern durch den Schlosspark, vorbei an Museum und Schloss bis zum großen Platz. In der Margarethen-Kirche holen wir unseren Stempel ab, teilen uns nach Kaffee und Kuchen noch eine Thüringer, halten ein Schwätzchen am Infobus vom Bundestag. Dann verlassen wir die Stadt in Richtung Westen.

Wir haben einen sehr kurzen Weg vor uns. Der Bodelschwingh-Hof im etwa 18 Kilometer entfernten Mechterstädt nimmt aktuell keine Pilger auf. Auf Empfehlung versuchen wir es telefonisch bei der noch näher gelegenen Familienkommunität Siloah, Das ist eine Art Erlebnisbauernhof mit vielen Tieren, Obstplantagen in einer christlichen Dorfgemeinschaft. Klingt interessant. Und sie haben auch ein günstiges Plätzchen für uns.

Auf dem Weg werden wir heute wieder mit weiten Ausblicken auf den Thüringer Wald mit dem weithin sichtbaren Inselsberg belohnt. Der Weg führt auf einer Panzerstrasse durch den ehemaligen Truppenübungsplatz mit der sinnhaften Bezeichnung Kriegberg.

Im Hofgut Siloah werden wir freundlich von Chiara aus Leipzig empfangen, die hier vor gerade einer Woche ein freiwilliges soziales Jahr begonnen hat und sich unter anderem um die Pilger kümmert.

Zum Hof gehören 250 Hektar Land. Jede Menge Platz für Jugendfestivals, die hier außerhalb von Corona stattfinden. Ein riesiger Zeltplatz, dessen Zentrum ein weithin sichtbares Kreuz ist. Auf dem Hof selbst finden regelmäßig Workshops für Jung und Alt statt. Aktuell sind im Atelier einige junge Leute mit dem Marmorieren von Papier beschäftigt.

Markus, ein Pilger aus Freiburg, ist seit zwei Tagen hier und kuriert eine Sehnenentzündung aus. Heute Nacht schläft er im Zelt, damit wir Corona-bedingt Distanz wahren können.

Wir dürfen mit den Praktikanten, zwei Urlauberinnen und Pilger Markus zu Abend essen. Es gibt Suppe, Brot mit Wurst und Käse, Gurkensalat und Obstsaft aus der eigenen Plantage.

Auf den Nachthimmel hier draußen bin ich gespannt. Fest steht: Es wird fernab der Stadt sehr dunkel.

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