Von Grebenau nach Niederjossa

Ich bekomme in der Pilgerherberge Grebenau ein ganz vorzügliches Frühstück serviert und mache mich gestärkt auf den Weg zur Burg Herzberg. Es geht also erstmal bergauf. Die Temperaturen sind seit gestern deutlich gesunken,  von etwa 20‘Grad auf 10 Grad. Meiner Lauflust tut das keinen Abbruch. Ich bin guter Dinge, auch dann noch, als der Nieselregen einsetzt und allmählich stärker wird.

Um halb elf bin ich oben, die Burg öffnet ihre Pforten erst um 11 Uhr. Was soll’s? Ich habe Zeit und gönne mir erst einmal ein zweites Frühstück.

Um kurz nach elf will ich gerade zaghaft an dem schweren Tor rütteln. Drinnen gibt der vierbeinige Burgwächter mir zu verstehen, dass ihm das nicht passt. Da ruft wer von oben aus der Burg, ich möge mich noch einen Moment gedulden.

Der Wirt der Burgschänke ist schnell zur Stelle, der  Vierbeiner entpuppt sich als harmlose, gut gemästete Französische Bulldogge. Ich bekomme meinen Stempel, einen Cappuccino und darf dann auf Erkundungstour durch die Burg gehen. Atemberaubende Aussichten, der Rittersaal, die Kappelle, das Verlies und der Gerichtsturm. Beim Anblick der schweren Eisenketten schaudert es mich. Die waren weiß Gott nicht zimperlich damals.

Der Verein Lutherweg 1521 hat sich übrigens dafür stark gemacht, dass oben an der Burg ein Kreuz aufgestellt wird, an dem jeder Pilger einen Stein niederlegen kann als Symbol für die Last, die er zurücklässt. Der Burgschänkenwirt verrät mir, dass es wohl schon bald aufgestellt wird, das Cruz de Ferro vom Lutherweg. Der Mann fürchtet schon um die Steine der Burg, aber ich kann ihn beruhigen: Jeder Pilger bringt natürlich seinen Stein  von zu Hause mit.

Von der Burg geht es über einen angenehmen Abstieg hinunter nach Breitenbach. Von dort über einen schönen Wiesenweg nach Oberjossa. Davor schaut die Sonne wieder mal durch die Wolken und ich lege mich ins Gras, schließe die Augen für eine Weile und lausche dem Kuckuck.

In. Niederjossa habe ich ein Zimmer im Heuhotel Eckhardt reserviert. Sehr gastfreundliche Leute. Ich bekomme gleich noch einen Kaffee mit auf mein Zimmer, das einfach, aber sehr gemütlich eingerichtet ist. Und jetzt warte ich darauf, dass die einzige Gaststätte am Ort öffnet.

Herr Eckhart empfiehlt mir für morgen einen Besuch des Eichhofs vor den Toren von Bad Hersfeld. Dort soll Martin Luther  1521 übernachtet haben. Und es gibt einen großen Kräutergarten. Ich werde also früh aufbrechen, weil ich in Bad Hersfeld noch mehr auf dem Zettel habe. Zum Beispiel das größte begehbare Buch. Sowas gefällt mir.

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