Von Alsfeld nach Grebenau

Heute bin ich schon früh raus aus den Federn und nach Alsfeld gereist. Ja, ich bin für drei Tage auf dem Lutherweg unterwegs, von Alsfeld nach Bad Hersfeld.

Für die hundert Kilometer lange Reise mit dem Zug musste ich zweimal umsteigen. Was bin ich so froh, dass in unserem Land die Bahn auch in abgelegene Winkel fährt! Und man meistens auch noch Fahrplan-echt ankommt. Manchmal murren wir hierzulande wirklich auf hohem Niveau.

Ohne irgendwelche Zwischenfälle komme ich also pünktlich auf die Minute in Alsfeld an und begebe mich schnurstracks in das erste Café am historischen Marktplatz. Hab ich schon mal erwähnt, dass ich aus Spanien eine latente Café con Leche-Abhängigkeit mitgebracht habe?

Der Weg raus aus der Stadt ist kurz. Noch eben die Autobahn unterqueren, ein paar Hundert Meter Hohlweg und schon weitet sich der Blick draußen auf dem freien Feld. Ich seh nur Grün und Gelb. Bis Eifa läuft man erst mal den Berg hoch, dann durch einen Wald. Und wenn man den Wald verlässt liegt unten im Tal schon der kleine Ort. Auf der Höhe hinter dem Dorf rumort der Verkehr der A5 vorbei.

Weiter geht’s durchs Eifa-Tal durch Wald und Wiese. Die Hardtmühle lasse ich links,  nein rechts liegen. Donnerstag scheint in dieser Gegend nach einer geheimen Absprache allgemein ein Ruhetag zu sein, den sich fast jeder Gaststättenbetrieb gönnt.

Der weitere Verlauf des Eifa-Tals bis zum kleinen Örtchen Schwarz ist wunderschön und still. Außer Vogelstimmen höre ich nichts.

Von meiner Rast zuvor habe ich ein wenig Kaffeedurst und Schokoladen-Jieper mitgebracht und hoffe auf eine Bäckerei oder ein kleines Lädchen. – Ich werde nicht erhört. Aber irgendwann verschwindet die Lust auf Schokolade von allein.

Grebenau ist mein heutiges Ziel. Die Pizzeria ist das einzige Lokal am Ort, wo die Pilgerin was zu essen bekommen kann. So auf den ersten Blick wirkt sie nicht gerade einladend. Ich komme für die Nacht in der „Pilgerherberge Grebenau“ unter, genau genommen in einem Privatzimmer, das die freundliche Apothekerin schon vor ein paar Wochen für mich reserviert hat. Sie kann die Pizza empfehlen. Und sie hat ja so recht. Ich bekomme dort eine Holzofenpizza, die nicht nur deshalb so gut schmeckt, weil ich so hungrig bin. Wirklich lange keine so gute Pizza mehr gehabt. Das entschädigt mich sogar für den unbequemen Barhocker. Gemütlich ist anders. Aber die beiden Pizzabäcker sind sehr freundlich und aufgeschlossen. Dass immer mehr Pilger auf dem Lutherweg unterwegs sind, haben sie auch mitbekommen und freuen sich fürs Geschäft.

Frau Fughe, meine Hospitalera, verrät mir, dass dieses Jahr schon viele Pilgergruppen bei ihr angeklopft haben. Der Lutherweg zwischen Worms und Eisenach wird allmählich immer bekannter. Dabei ist er erst 2017 eröffnet worden.

Und was habe ich heute erlebt? Nun, mein Tag war erstaunlich ereignislos, wenn ich mal von einer reibungslosen Bahnreise, der schönen Wanderung, einer Begegnung mit einem Fuchs und einem Milan absehe. Ich bin viele Stunden ganz allein durch Wald und Wiesen gestreift und habe einfach selbstvergessen die Freuden des einfachen Daseins genossen.

Nicht schlecht für einen ersten Pilgertag!

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