Die Entdeckung der Langsamkeit

Am Wochenende bin ich mal wieder vor der Tür gewesen. Das meine ich fast wörtlich. Der Ausgangspunkt meiner Wanderung im Vordertaunus liegt nämlich gerade mal etwa fünf Kilometer von meiner Haustür entfernt. Kronberg am Taunus. Die Orte und Sehenswürdigkeiten auf dem Weg sind alte Bekannte: die Burgen von Kronberg, Falkenstein und Königstein. Ungewöhnlich war diesmal nur, dass ich die Burgen nicht mit dem Auto abgeklappert habe, sondern zu Fuß.

Jetzt sollte man meinen, dass ich als passionierte Fußgängerin meine unmittelbare Umgebung ausreichend auf zwei Beinen erkundet hätte. Weit gefehlt! Genau genommen, hätte ich mich ohne den Vorschlag meiner Wander-App Komoot überhaupt nicht hier auf den Weg gemacht. Und das wäre wirklich schade gewesen.

Sie wären mir verborgen geblieben: die verschlungenen Pfade steil bergauf zum Victoriatempel, zur Bürgelplatte und den Miniatur-Weinberg im Rathausgarten der Stadt Kronberg, der im Jahr 2000 dort angelegt worden ist, weil die Stadt auf mehr als 200 Jahre Weinbautradition zurückblickt. Auch das wäre mir völlig unbekannt geblieben.

Wie vielen von Euch sind weit entfernte Ziele bis in die entlegensten hinteren Ecken bekannt, wohingegen Ihr passen müsst, wenn einer Euch nach dem Fußweg zu einem Ziel der näheren Umgebung fragt, das Ihr sonst nur mit dem Auto ansteuert?

Wer Lust hat, die vielen Facetten der langsamen Bewegung zu erforschen, dem sei das wunderbare Buch „Slow Travel“ von Dan Kieran wärmstens empfohlen (https://www.amazon.de/Slow-Travel-Die-Kunst-Reisens/dp/3453417976/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1523105683&sr=8-1&keywords=Slow+Travel). Der Schriftsteller hat aus seiner Flugangst eine Tugend gemacht und bewegt sich nur auf dem Land- oder Seeweg auch in die entlegensten Winkel der Welt. Darüber schreibt er und entwickelt geradezu eine Philosophie des langsamen Reisens. Ganz besonders haben es mir auch die zahlreichen Verweise zu weiterführender Literatur nicht nur über das Reisen, sondern auch beispielsweise über die Neurobiologie und die Spiritualität angetan. Mit dieser Leseliste werde ich wohl eine Zeitlang beschäftigt sein.

„Slow Travel“ ist eines der wenigen Bücher, die ich immer wieder zur Hand nehme, um darin zu lesen und einzutauchen in die Kunst des Reisens, die so wenig mit dem Begriff „Urlaub“ zu tun hat. Es ist diese Art der Fortbewegung, die dazu führt, dass man Altbekanntes zu hinterfragen beginnt und eine wirklich neue Erfahrung macht.

Genau wie beim Pilgern.

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