Weihnachten – und wie man ein Stück Camino nach Hause holt

Wer erinnert sich nicht gerne an lange Tafeln und gemeinsame Abendessen in den Pilgerherbergen auf dem Camino. Es ist schon wunderbar, wenn du, vom langen Gehen müde, schließlich irgendwo ankommst, wo du bleiben möchtest. Und wenn dir dann auch noch ein Pilgermenü angeboten wird, irgendwo in einem kleinen Dorf, dann greifst du gerne zu.

Am schönsten ist es dann, wenn viele verschiedene Nationalitäten an einem Tisch sitzen. Menschen, deren Gesichter man zum Teil schon auf der Strecke gesehen hat, manchmal auch mehrfach. Menschen, über die man sich vielleicht auch gewundert hat. Menschen, die einem ganz und gar fremd und unbekannt sind. Dazwischen vielleicht auch der eine oder andere, mit dem man schon einmal an einem Tisch gesessen hat. – Bei einem gemeinsamen Abendessen auf dem Camino ist es nicht wichtig, ob man sich kennt; denn eines ist gewiss: Jeder einzelne gehört der Pilger-Gemeinschaft auf dem Camino an.

Ich habe diese Abendessen geliebt, bei denen man Erfahrungen und Erlebnisse austauscht, teils mit Händen und Füßen. Pilger verstehen einander immer.

Deshalb ist mein Herz gleich gehüpft, als ein benachbartes Paar, beide erst zugezogen, auf einer lokalen Seite gepostet haben, dass sie ihre Tafel am Weihnachtsabend öffnen möchten für zwei bis drei Menschen, um gemeinsam zu essen, zu trinken und einen kommunikativen und lebendigen Heiligabend zu verbringen. Ich fand diese Idee so wunderbar, dass ich nicht lange überlegen musste.

Hierzulande ist man gewöhnt, dass Heiligabend immer der Familie vorbehalten ist. Und das ist sicher auch ganz richtig so, da es ja häufig auch eine seltene Gelegenheit ist, die ganze Familie um den Tisch zu sammeln. Trotzdem: Die Idee, mit fremden Menschen zu feiern, ist für mich lebendiges Pilgerleben. Denn wenn wir die Begriffe „Familie und Gemeinschaft“ weiter fassen, dann ist doch eines klar: Wir gehören alle einer Spezies an. Wir haben die gleichen Bedürfnisse. Alle zusammen sind wir eine Gemeinschaft.

Und genau deshalb werde ich dieses Weihnachten genauso feiern: mit fremden Menschen, mit Freunden, mit Familie. Sie sind mir alle gleich lieb.

Ich wünsche allen ein gesegnetes Fest!

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