Das Glück ist immer da

Seit drei Wochen bin ich vom Camino Primitivo zurück und vermisse seit dieser Zeit die Weggefährten, die wundervollen Begegnungen und Gespräche, das ausgelassene Zusammensein beim Abendessen, das Lachen und auch das Teilen von Misserfolgen im Leben. All das, was uns alle miteinander ausmacht und uns Pilger zu einer Gemeinschaft auf Zeit hat werden lassen. Woran liegt es nur, dass die Tiefe der Begegnungen im Alltäglichen immer wieder verloren gehen?

Ein Stück weit mag es daran liegen, dass das Leben zu Hause so viel komplizierter erscheint. Auf dem Weg hast Du nur einen Rucksack mit dem Allernotwendigsten dabei. Du musst ja das physische Gewicht tragen können. In meinem Leben zu Hause gibt es Räume, in denen die vielen Dinge aufbewahrt werden. Ich bezahle meine Miete, damit meinen Besitz sicher aufbewahren kann. Ich habe ein Auto, mit dem ich jeden Tag zur Arbeit fahre. Ich habe Versicherungen, die mich gegen Verlust und die Unwägbarkeiten des Lebens absichern. Zumindest glaube ich, dass ich dadurch ein wenig sicherer bin.

Doch wenn ich mir durch den Kopf gehen lasse, mit wie wenig ich beim Pilgern auskomme, dann muss ich mein selbst geschaffenes System schon in Frage stellen. All diese Dinge, die ich vermeintlich nicht auf dem Rücken trage, entpuppen sich als äußerst schwergewichtig. Sie wollen gepflegt und unterhalten werden. Sie rauben mir meine Zeit und meine Ruhe. Und sie sorgen dafür, dass ich nicht einfach jeden Abend mit Freunden an einer gedeckten Tafel sitzen und das Leben genießen kann.

Irgendetwas in mir scheint immer wieder dem Glauben zu verfallen, dass ich glücklich sein werde, wenn ich endlich dieses oder jenes in meinem Leben besitze. Oder wenn ich endlich den neuen Job habe oder den Mann meines Lebens kennenlerne. Oder wenn ich endlich genügend Zeit und Geld habe, um zu meinen Traumzielen zu reisen. Ich könnte aus dem Stand hier vieles aufzählen, was mir vermeintlich zu meinem Glück fehlt. Und weiß doch, dass da im Grunde nichts dran ist.

Denn das Glück ist immer da. Ich spüre es immer dann, wenn ich all die ganzen Ablenkungen und Wünsche ablegen kann. Weil doch nur zählt, dass man ein Dach über dem Kopf und ein Bett zum Schlafen hat. Dass man das Essen und die Freude teilt mit netten Menschen, die so wunderbar unterschiedlich sind und doch alle, genau wie ich, nur eins suchen. Das Glück im ganz einfachen Dasein. Ohne Wenn und Aber.

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