Zeitverschiebung und Gewohnheiten

Tag1: Frankfurt-Santander

Bevor ich zu meinem neuen Camino-Abenteuer aufgebrochen bin, habe ich mir vorgenommen, dass ich mir Zeit lasse und alles nehme, wie es kommt. Gleich heute, am Tag meiner Ankunft, habe ich Gelegenheit, mich an ein langsames Tempo zu gewöhnen. Ich bin gut in Santander angekommen, mein Rucksack ist noch in Madrid. Ich werde also morgen erst einmal eine ausgiebige Stadtbesichtigung unternehmen.

Der Rucksack kommt- so hoffe ich – mit der ersten Maschine aus der Hauptstadt, um ein Uhr morgens. Erst als die Mitarbeiterin von Iberia mir die Uhrzeit auf einen Zettel schreibt, wird klar: Es ist mitnichten ein Uhr morgens gemeint, sondern ein Uhr nachmittags. „13 Uhr ist bei uns morgens!“ – Ja, klar, wie konnte ich das vergessen. Die Uhren ticken nun mal anders in Spanien. Also stürze ich mich heute selber mal ins Nachtleben. – Nun ja, für meine Verhältnisse jedenfalls. Macht eh keinen Sinn, am Samstagabend frühzeitig schlafen zu wollen. Die ganze Stadt ist auf den Beinen. Laut und vergnügt. Und ich mittendrin. Wenn das nicht vielversprechend ist.

Meinen Sello, den Stempel im Credencial, habe ich mir bereits in der Kathedrale abgeholt. Der Rezeptionist im Hotel will partout nicht auf dem ersten Feld stempeln. „Das ist der Kathedrale vorbehalten!“ – Ich also hin zur Kathedrale, weil ich auch kein leeres Feld ertragen konnte. Irgendwie passe ich ziemlich gut das Ende der Messe ab, klopfe ein wenig schüchtern an die Tür und sehe mich plötzlich umringt von einer ganzen Besetzung aus Padres und Ministranten, die mir alle einen ‚Buen Camino‘ wünschen. Endlich was Bekanntes, was gleich eine Saite in mir zum Schwingen bringt.

Ein bisschen fremd fühle ich mich noch auf dem Norte, nachdem mir mein Haupterkennungsmerkmal, der Rucksack, abhanden gekommen ist. Ob ich morgen wirklich losgehen kann, wenigstens ein paar Kilometer am Nachmittag, weiß ich noch nicht. Andere Pilger hab ich auch noch nicht gesehen. Aber immerhin: Die Muschel ist schon mal aufgetaucht.

 

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