Vorbereitungen auf die Vía de la Plata

In letzter Zeit ist es auf Vagabunterleben ein wenig still gewesen. Dabei bin ich bereits seit einem Jahr in den Vorbereitungen auf meinen nächsten langen Camino. In Kürze reise ich nach Spanien, um die Vía de la Plata von Sevilla nach Santiago de Compostella und Finisterre zu gehen. Genau genommen habe ich vor, zwei verschiedene Wege zu gehen. Die Vía de la Plata führte ursprünglich über Astorga und vereinigte sich dort mit dem Camino Francés. Wohl um die Ausläufer des Kantabrischen Gebirges zu vermeiden, wandten sich die Pilger aber etwa 90 Kilometer südlich von Astorga, ab Granja de Moreruela, in Richtung Westen. Ein Teilstück dieses Abschnitts, den Camino Sanabrés, der im weiteren Verlauf über Puebla de Sanabria und Ourense nach Santiago führt, bin ich vor drei Jahren schon einmal gegangen. Ob ich dann am Ende über Astorga oder über Ourense pilgere, werde ich entscheiden, wenn es so weit ist.

Von dem Moment an, als feststand, dass ich dieses Jahr wieder einmal ein sechswöchiges Sabbatical nehmen kann, war klar, dass ich in diesem Zeitraum nicht noch einmal den Camino Francés gehen werde. Zu lebendig sind noch die Erinnerungen an diese achtwöchige Auszeit, in der so vieles passiert ist, das mein Leben neu geordnet und positiv beeinflusst hat. Unmöglich, den gleichen Weg noch einmal zu gehen, wenn ich nicht Gefahr laufen will, ähnliche Erfahrungen und Begegnungen zu erwarten wie vor fünf Jahren.

Aber die Vía de la Plata? – Ich muss zugeben, dass ich von Anfang an einen Heidenrespekt vor dieser Strecke hatte und sie mich auch nach wie vor schreckt. Zwar ist die Plata mit eintausend Kilometern gerade mal einhundert Kilometer länger als der Camino Francés. Also eigentlich kein Problem, wenn man ausdauernd einen Schritt vor den anderen setzt. Doch dieser Camino ist gefürchtet wegen der großen Hitze im südlichen Teil, wegen bis zu 30 Kilometer und längeren Etappen, bei denen man den ganzen Tag über keinen Fuß in ein Dorf setzt und stellenweise noch nicht einmal eine menschliche Siedlung zu Gesicht bekommt; geschweige denn eine Café-Bar, in der man – wie es so häufig auf dem Camino Francés geschieht – mit anderen Pilgern ins Gespräch kommt und jederzeit etwas zu Essen, ein kühles Getränk oder den von mir so geliebten Café con Leche bekommt. Zu der geringen Dichte an Bars und Herbergen gesellt sich also ganz natürlich der Umstand, dass man häufig den ganzen Tag über nicht einem Pilger begegnet und somit mit sich und seinen Gedanken allein ist. Zugegeben: Stille und innere Einkehr sind ja grundsätzlich erstrebenswert. Allerdings ist natürlich auch niemand da, der unterstützend und aufmunternd eingreifen kann, wenn die eigenen Gedanken bei Hitze, Hunger und Erschöpfung ins Negative abdriften. Damit muss man rechnen.

Wegen der Temperaturen, die schnell einmal auf um die 40 Grad Celsius ansteigen können, ist es auch nicht wirklich geraten, sich Ende Mai auf den Weg zu machen. Dass ich es dennoch tue, ist einer gewissen Sturheit und dem Umstand geschuldet, dass ich zu anderen Zeiten aus beruflichen Gründen kaum wegkomme. Ich hoffe in dieser Hinsicht, dass meine Erfahrung und ein gewisses Wohlwollen von oben mich sicher nach Santiago geleiten mögen.

Lange Zeit sah es gar nicht so aus, als könnte ich mich wirklich auf den Weg machen. Beruflich ploppte ein Fragezeichen nach dem anderen auf. Zuerst war es ein neues berufliches Projekt, das meine Pläne völlig unmöglich erscheinen ließ, dann kündigte sich Anfang des Jahres gar ein kompletter Jobwechsel an und schien meine Pläne völlig über den Haufen zu werfen. Seit Wochen jedoch steht fest: Ich kann tatsächlich meine Reise wie geplant antreten. Seitdem taumele ich als Katja im Glück durchs Leben und bin einfach unendlich dankbar, dass ich zwischen zwei beruflichen Engagements Zeit für innere Einkehr habe. Die Widmung meines Camino, den ich ursprünglich noch einmal angehen wollte, um mir über meine berufliche Zukunft Gedanken zu machen, ist damit allerdings bereits Makulatur.

Jetzt bin ich nur noch gespannt darauf, was der Weg für mich bereithält.

4 Kommentare

  1. Liebe Katja,

    ich wünsche dir gutes Gelingen! Nach 2010 auf dem Frances ist es es für mich nach langer Pause eine große Herausforderung und auch mit erheblichen Respekt verbunden, die Plata zu gehen. Vielleicht laufen wir uns ja über den Weg? Ich starte auch Ende Mai.

    Beste Grüße
    Udo

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    1. Lieber Udo, vielen Dank. Dass wir uns über den Weg laufen ist durchaus möglich und würde mich freuen. Ich hatte vor dem Francés vor fünf Jahren auch eine sehr lange – elfjährige – Pause. Einen guten Weg und Buén Camino! Liebe Grüße, Katja

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